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Hamburg-Mannheimer – Orgie in Budapest – Rechtliche Aspekte – Teil III Strafbarkeit des Managements und der “Genießer”

Mai 29th, 2011 · Keine Kommentare

Als Dritten Aspekt zum Thema Sex-Orgie der Hamburg-Mannheimer widmen wir uns dem Thema Strafbarkeit der Verantwortlichen für die Durchführung und Organisation sowie für die Teilnehmer.

Da hat die Ergo-Tochter HMI sicherlich bei einigen Herren der Schöpfung für reichlich Entlastung gesorgt, wobei die Zahl von nur 20 Damen auf die 100 besten Vertreter sicherlich bedenklich erscheint. Grundsätzlich mag man sich hier auch fragen, wie es mit der Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau aussieht, denn sicherlich gibt es bei der HMI auch weibliche Vertreter. Die Frage die sich hier stellt ist, wie diese „belohnt“ worden sind. Aber unabhängig von diesen Randfragen muss ein derartig vergnügliches Fest auch bezahlt werden und wird sicherlich auch in der Buchhaltung untergebracht worden sein. Es ist bereits zu klären, wie dieses ganze Unterfangen steuerlich für die Arbeitnehmer bzw. Vertreter zu sehen ist. Letztlich erhalten diese hier einen geldwerten Vorteil, der versteuert werden muss. Sofern dieses nicht geschieht, dürfte hier eine Strafbarkeit der Vertreter, aber auch des Arbeitgebers vorliegen. Aber selbst wenn der Arbeitgeber die hier übermittelte Leistung, also den Mehrwert an die Mitarbeiter als geldwerten Vorteil (wie z.B. auch Weihnachtsgratifikationen) versteuert, so ergibt sich auch hier die Frage, ob dieses pauschal pro Kopf geht oder nicht. Denn letztlich dürften nicht alle Vertreter jeweils die genau gleiche Leistung in Anspruch genommen haben, verwiesen wird hier auf das Verhältnis 20 zu 100. Dennoch wird es am Ende so sein, da die jeweiligen Einzelleistungen steuerstrafrechtlich kaum aufklärbar sein dürften, dass es nur darauf ankommt, ob hier überhaupt ein geldwerter Vorteil versteuert worden ist.

Eine andere Frage ist, ob hier Rechnungen der Damen existieren oder wie hier genau abgerechnet worden ist. Letztlich dürfte es fragwürdig sein, wenn man die Damen inbegriffen in einer zu zahlenden Pauschale für die Therme mit dazu erhält. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Damen ihre Leistungen jeweils einzeln in Rechnung gestellt haben, diese Leistungen somit auch nicht in der Buchhaltung des Konzerns auftreten. Demnach wäre dann aber auch die Verbuchung dieses Projektes nicht ganz korrekt.

Die Frage die sich hier stellt ist, in wieweit sich der Konzern bzw. die absegnende Führung hier (zumindest nach Deutschem Recht) der Förderung der Prostitution strafbar gemacht haben könnte. Am Ende wird dieses nur schwerlischt nachweisbar sein, denn man muss immer zugestehen, dass man hier stets davon ausgeht, dass mit den Leistungen die man bucht/bestellt alles rechtlich in Ordnung sei. Interessant wäre also zu wissen, ob es sich um freiberufliche Damen handelte. Der Vorteil für die planenden und genehmigenden Mitarbeiter könnte letztlich darin liegen, dass sich das Ganze im Ausland abgespielt hat.

Die letztlich interessanteste Frage ist, wie sich dieses Unterfangen mit der Tatsache verhält, dass hier auch erhebliche Unternehmensgelder hineingeflossen sind. Natürlich werden zur Motivation auch Weihnachtsfeiern ausgerichtet. Natürlich auch für die besten Mitarbeiter gesonderte Veranstaltungen als Motivation. Aber dürften Gelder für die hier vorleigende Veranstaltung verwandt werden? Für etwas, woran vorrangig wohl auch nur die Herren teilnehmen? Diese Reisen schaffen auch eine gewisse Abhängigkeit, da man jeweils weiß, was der andere gemacht hat. Auch so kann Druck ausgeübt werden, wenn z.B. ein Mitarbeiter Familie hat. Es ist die Frage, ob derartige Reisen nicht gegen Ethikrichtlinien verstoßen, welche an sich jedes Unternehmen haben sollte.

Unter Compliancegesichtspunkten ist auch fraglich, ob sich die genehmigenden Personen aus der Führungsetage hier nicht etwas weit aus dem Fenster gelehnt haben. Denn letztlich schädigt dieses einerseits das Ansehen des Unternehmens, andererseits handelt es sich hier auch um Ausgaben für eine bestimmte Spezies (Mann). Es ist davon auszugehen, dass Gelder hier gleichmäßig zwischen den Spitzen der Vertriebler aufgeteilt werden müssen, mithin eine nachvollziehbare richtige Auswahl der 100 besten Vertriebler erfolgt sein muss. Sonst dürften hier die Gelder zweckwidrig verwendet worden sein. Eine Versicherung, welche für Verstöße gegen Compliancerichtlinien (sofern dieses Unternehmen derartiges hat) würde in diesem Falle sicherlich nicht eingreifen.

All das sind Ansätze, über die man nachdenken kann, am Ende wird sicherlich nur wenig übrig bleiben bis auf die Tatsache, dass man bei derartigen Unternehmungen etwas mehr Vorsicht walten lassen muss.

Diesen Beitrag verfaßte der Hamburger Strafverteidiger Maximilian Pancic.

Rechtsanwalt Maximilian Pancic

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Hinweis:

Die hier geäußerten Rechtsansichten beruhen auf der Einschätzung des Autors und stellen nur seine persönliche Rechtsansicht dar. Ob ein Strafverfahren eröffnet wird und wie ein solches am Ende ausgeht, liegt in den Händen der Strafverfolgungsbehörden und Gerichte.

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