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Beleidigender Büro-Roman über die Arbeit kein Kündigungsgrund – Aktuelle Entscheidung des LAG Hamm

Juli 24th, 2011 · Keine Kommentare

Das hätte ich nicht erwartet und habe ernste Zweifel, ob das Bundesarbeitsgericht dieses Urteil nicht kippen wird.

Kurz zusammengefasst kann man sagen: Auch noch so beleidigende “Büro-Romane” sind von Kunstfreiheit gedeckt und können nicht zur Kündigung führen. Der Fall kommt aus dem Rheinland und wurde mit dem Titel “Wer die Hölle fürchtet, kennt das Büro nicht” passend eingeleitet.

Der Mitarbeiter war seit über 10 Jahren bei einem Mittelständler beschäftigt und mochte offenbar nicht alle Kolleginnen und Kollegen und insbesondere nicht den Juniorchef.

Hier aus der Pressemitteilung des Gerichts …. :

Der Roman ist aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschrieben. Weitere Protagonisten sind

  • der Rauschgift konsumierende Kollege “Hannes” (“…hat alles geraucht, was ihm vor die Tüte kam.”),
  • die Kollegin “Fatma”, über die es heißt, sie “erfülle so manches Klischee, was man allgemein von Türken pflegt: ihre krasse Nutzung der deutschen Sprache und auch ihr aufschäumendes Temperament. Leider steht ihr Intellekt genau diametral zu ihrer Körbchengröße” und
  • der Junior-Chef “Horst”, der wie folgt beschrieben wird: “Er ist ein Feigling! Er hat nicht die Eier, jemandem persönlich gegenüberzutreten, dafür schickt er seine Lakaien”.

Die vom Arbeitgeber ausgesprochene Kündigung wurde vom LAG für unwirksam erklärt und der Schriftsteller darf weiter arbeiten.

Hierzu das Gericht weiter: “Schreibt ein Arbeitnehmer einen sog. Büro-Roman, der deutliche Parallelen zum Unternehmen und den dort tätigen Personen aufweist, so liegt hierin regelmäßig kein Grund für eine außerordentliche Kündigung. Der Arbeitnehmer kann sich insoweit auf die Kunstfreiheit gem. Art. 5 Abs. 3 GG berufen. Das gilt selbst dann, wenn der Romane beleidigende oder sexistische Äußerungen in Bezug auf Romanfiguren enthält, die als tatsächlich existierende Personen identifizierbar sind.”

Selbst für mein arbeitnehmerfreundliche Herz ist das zuviel des Guten. Mal sehen, was das BAG dazu meint …. in vielleicht zwei Jahren.

Quelle: Landesarbeitsgericht Hamm PM Nr. 24 vom 15.7.2011 zum Urteil vom 15.07.2011, Az 13 Sa 436/11

Für wir-sind-arbeitsrecht.de geschrieben von:

Anja Harm, Fachanwältin für Arbeitsrecht und

Axel PöppelFachanwalt für Arbeitsrecht Hamburg

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